Des Schweizers liebste Schiesssportdisziplinen sind Gewehr 300 m, Pistole 50 m und 25 m. Auch das Schiessen mit Kleinkaliberwaffen und Luftgewehr/Luftpistole ist weit verbreitet. Nicht ganz so verbreitet, aber nicht weniger bliebt, ist das Flintenschiessen auf Wurfscheiben. Beim sogenannten «Tontaubenschiessen» zielt und schiesst der Schütze mit einer Schrotflinte auf fliegende Scheiben (Wurfscheiben), die man auch als «Tontauben» bezeichnet. Tontauben bestehen aus einem spröden, zerbrechlichen Material – ähnlich gebranntem Ton – und werden von sog. Wurfmaschinen in die Luft geschleudert, um den Flug eines Vogels zu simulieren, oder rollen und hüpfen dem Boden entlang, wie ein Hase. Die besondere Herausforderung beim Tontaubenschiessen liegt darin, dass man draussen an der frischen Luft auf bewegliche Ziele schiesst, deren Flugbahn durch Wind und Wetter beeinflusst wird. Dieser Sport erfordert Präzision, Konzentration und Geschicklichkeit.
Welche Disziplinen gibt es?
Beim Tontaubenschiessen gibt es mehrere Disziplinen, darunter Trap, Skeet, Jagdparcours oder Compak-Sporting. Die bekanntesten und olympischen Disziplinen sind Trap und Skeet. Beim Trap wird die Wurfscheibe von einem Punkt in variierende Richtungen abgeworfen, beim Skeet von zwei verschiedenen Punkten in fest vorgegebene Richtungen. Keine olympische Disziplin, dafür umso herausfordernder, ist der Jagdparcours. Diese Disziplin des Tontaubenschiessens simuliert das Verhalten von Niederwild (Hasen, Vögel, Füchse etc.) und dient in erster Linie dem Training von Jägern. Aber auch bei Sportschützen wird diese herausfordernde Disziplin immer beliebter. Compak-Sporting ist eine relativ neue Variante des Jagdparcours, die auf kleinen Schiessplätzen mit begrenztem Platzangebot geschossen werden kann. Geschossen wird mit Bockdoppelflinten oder halbautomatischen Flinten meist im Kaliber 12.
Was sind die besonderen Herausforderungen beim Tontaubenschiessen?
Beim Tontaubenschiessen schiesst man auf dynamische Ziele, deren Flugbahn nicht immer vorhersehbar ist, abhängig von Wind und Wetter, da dieser Sport in der Regel draussen an der frischen Luft ausgeübt wird. Die Wurfscheiben sind klein und schnell unterwegs, weshalb eine hohe Präzision beim Zielen und Schiessen für Erfolgserlebnisse erforderlich sind. Eine gute Schiesstechnik ist deshalb unabdingbar. Ein stabiler Stand, die korrekte Körperhaltung und ein fester und sauberer Griff der Waffe müssen geübt und erlernt werden. Tontaubenschiessen erfordert analytisches Denken, weil man beim Schiessen auf bewegliche Ziele – im Gegensatz zu statischen Zielen – vor die Wurfscheiben ins Leere schiessen muss, um sie zu treffen. Man muss die Zeit berücksichtigen, die der Schuss benötigt, um das Ziel zu erreichen sowie die ballistische Flugbahn der Schrotgarbe. Es gilt innert Sekunden die Anfangsgeschwindigkeit, den Abwurfwinkel und unter Umständen auch den Luftwiderstand der Wurfscheiben zu erkennen. Auch die Grösse und Flugbahn der Schrotgarbe, welche durch sog. Wechselchokes (Verengung der Laufmündung) beeinflusst werden können sowie die Distanz des Schützens zur Tontaube müssen berücksichtigt werden. Sowohl Intuition als auch analytisches und strategisches Denken verhelfen beim Tontaubenschiessen zu Erfolgserlebnissen.
Neben Kraft sind auch mentale Konzentration sowie eine gute Hand-Augen-Koordination wichtig: Der Schütze «schwingt» die Flinte, das heisst, er folgt mit der Flinte der Flugbahn der Tontaube, überholt diese und drückt ab, ohne zu stoppen. Das Stoppen der Waffe kann dazu führen, dass man das Ziel verfehlt. Der Lauf muss sich dabei flüssig bewegen.
Eine weitere Herausforderung ist die Visierung der Bock- und Querflinten, die beim Wurfscheibenschiessen verwendet werden: Sie verfügen lediglich über ein Perlkorn und haben keine Kimme. Diese wird durch die korrekte Positionierung der Flinte an Schulter und Wange des Schützens ersetzt. Der Schütze blickt zum Zielen über den Lauf der Flinte. Deshalb ist eine Flinte, deren Schaft auf den Körperbau des Schützen angepasst ist, unerlässlich. Ambitionierte Tontaubenschützen verwenden oftmals einen Massschaft, der individuell auf den Körperbau angepasst wurde.
Welche Techniken gibt es?
Um die Wurfscheiben zu treffen, gibt es verschiedene Techniken. Die wohl gängigste Methode ist «Swing Through». Dabei startet man hinter der Taube, nimmt sie mit dem Lauf auf, folgt ihr, überholt sie und drückt ab. Die Herausforderung beim «Swing Through» ist, den Lauf in einer flüssigen, sauberen Bewegung zu schwingen und auch beim Abdrücken nicht zu ruckeln. Diese Methode eignet sich vor allem für schnelle Wurfscheiben. Beim sogenannten «Maintained Lead» startet man vor der Taube, hält die Distanz und drückt ab. Die Schwierigkeit bei dieser Methode liegt darin, die Geschwindigkeit der Taube aufzunehmen und bis zum Schuss beizubehalten. Sie wird deshalb von fortgeschrittenen Schützen angewendet und eignet sich nur für vorhersehbare meist lineare Flugbahnen. Bei der «Pull-Away»-Methode nimmt der Schütze die Taube mit dem Lauf auf, folgt ihr und zieht kurz vor dem Schuss weg von ihr. Diese Methode eignet sich für verschiedene Flugbahnen und Geschwindigkeiten, man braucht aber etwas Übung, um die Distanz zur Taube und das Timing richtig einzuschätzen. Die Wahl der Methode hängt von den persönlichen Präferenzen sowie von der Flugbahn, der Geschwindigkeit und der Distanz der Wurfscheibe ab.
Welche Ausrüstung braucht man?
Das wichtigste Werkzeug ist eine passende Schrotflinte. Beim Tontaubenschiessen werden vorwiegend Bockdoppelflinten aufgrund ihrer präzisen Schussleistung und der Möglichkeit, sie mit verschiedenen «Chokes» auszustatten, verwendet. «Chokes» sind Verengungen im Flintenlauf, die die Streuung der Schrotgarbe beeinflussen. Sie dienen dazu, die Schrotladung entweder für weite oder kurze Distanzen zu optimieren. Aber auch Querflinten kommen beim Tontaubenschiessen zum Einsatz. Querflinten sind oft leichter und kompakter als Bockdoppelflinten, was sie für Schützen, die Wert auf Agilität legen, vorteilhaft machen kann. Auch halbautomatische Flinten können fürs Schiessen auf Wurfscheiben verwendet werden. Zu den beliebtesten Flintenherstellern zählen Beretta, Perazzi, Rizzini, Zoli, Benelli, Krieghoff, Browning oder Blaser.
Flinten im Kaliber 12 sind am weitesten verbreitet, obwohl auch Kaliber 20 und 28 verwendet werden. Geschossen wird mit speziellen Schrotpatronen fürs Tontaubenschiessen. Wichtig ist, dass die Munition den Richtlinien des jeweiligen Schiessplatzes entspricht.
Man sollte unbedingt eine gute Schutzbrille sowie eine Kopfbedeckung (Cap) tragen, um die Augen und den Kopf vor Splittern der zerbrechenden Tontauben zu schützen. Wie immer beim Schiessen ist das Tragen eines Gehörschutzes unerlässlich. Viele Tontaubenschützen tragen statt des üblichen Kapselgehörschutzes spezielle Ohrstöpsel, da der Schaft der Flinte an den Kapselgehörschutz stossen kann. Eine Schiessweste mit Taschen ist praktisch für das Verstauen der Munition und weiteren Utensilien.

